Ein Lebenslauf ist eine Liste von Positionen mit Jahreszahlen davor. Er sagt nichts über die Tage, an denen man sich morgens gefragt hat, ob man das Richtige tut, und nichts über die Tage, an denen man es wusste und trotzdem nicht wollte. Wenn ich auf meinen eigenen zurücksehe, sehe ich vor allem eins: Ich habe lange gebraucht, um zu merken, was ich gut kann und was ich nur gut aussehen lassen konnte.

Angefangen habe ich mit Formularen

Nach dem Studium bin ich bei einem mittelständischen Maschinenbauer im Landkreis gelandet, Personalreferentin, zweihundert Beschäftigte, eine Abteilungsleitung und ich. Die ersten zwei Jahre habe ich Verträge geschrieben, Zeugnisse vorbereitet und Bewerbungen gesichtet. Ich fand das nicht langweilig. Ich fand es beruhigend, dass es für fast jede Frage eine Vorlage gab.

Im dritten Jahr habe ich angefangen, Fragen zu stellen, auf die die Vorlage keine Antwort hatte. Warum die Fluktuation in der Montage doppelt so hoch war wie in der Arbeitsvorbereitung. Warum eine Abteilung seit Jahren Überstunden aufbaute und gleichzeitig über zu wenig Personal klagte. Mein damaliger Chef hat mir das eine Weile durchgehen lassen, was ich ihm bis heute anrechne.

2010 musste ich zum ersten Mal selbst eine Kündigung aussprechen. Es ging um eine Stelle, die betriebsbedingt wegfiel, und um einen Mann, der seit neunzehn Jahren dort war. Ich habe die Woche vorher schlecht geschlafen und die Nacht danach gar nicht. Was mir damals niemand gesagt hat und was ich heute jedem sage, der es hören will: Es wird nicht leichter. Es wird nur schneller.

Was ich in der Klinik gelernt habe

2012 bin ich zu einem Klinikverbund in Unterfranken gewechselt, Personalentwicklung. Es war die beste Entscheidung dieser Jahre und die anstrengendste. Zum ersten Mal habe ich mit Menschen zu tun gehabt, deren Arbeit ich nicht im Ansatz selbst machen könnte. Pflegekräfte im Nachtdienst, OP-Assistenz, Haustechnik.

Drei Jahre davon habe ich an einem Projekt zur Neuordnung der Arbeitszeit gearbeitet. Der Betriebsrat war von Anfang an dabei, und zwar nicht als Bremse. Ich habe dort etwas gelernt, was in keinem Studium vorkommt: Wer einen Dienstplan ändert, ändert das Leben von Menschen, die ihre Kinder oder ihre Eltern versorgen. Man kann eine Regelung noch so sauber aufschreiben, sie wird an einem Donnerstag im Februar scheitern, wenn eine Kollegin krank wird. Was ich über Arbeitszeit wirklich weiß, habe ich dort gelernt, und es erklärt, warum ich Zahlen wie die Teilzeitquote misstrauisch lese, obwohl sie stimmen.

Die Rolle, die ich wollte

2017 habe ich die Leitung der Personalentwicklung bei einem Bildungsdienstleister in Würzburg übernommen, zwölf Mitarbeitende, zum ersten Mal Personalverantwortung. Ich hatte mir das lange gewünscht und war sicher, dass ich es kann.

Zwei Jahre lang ging es gut. Ich habe Dinge aufgebaut, auf die ich stolz bin, und ich habe Sitzungen geleitet, nach denen Leute zu mir gekommen sind, um sich zu bedanken. Im dritten Jahr ging es nicht mehr. Ich habe angefangen, sonntags um vier wach zu liegen und im Kopf Stellenpläne durchzurechnen, und ich habe es geschafft, das bis zum Herbst vor allen zu verbergen. Wer es gesehen hat, war meine Hausärztin.

Ich habe vier Monate ausgesetzt. Was in dieser Zeit passiert ist, gehört nicht ins Netz, jedenfalls nicht in allen Einzelheiten. So viel: Ich habe in der ersten Woche gedacht, ich hätte versagt, und irgendwann in der sechsten gedacht, ich hätte einfach nur lange genug nicht hingesehen.

Der Rückweg

2020 bin ich zurückgegangen, in eine Fachrolle, ohne Personalverantwortung, mit dreißig Stunden. Das hat länger gedauert, als ich hier schreiben kann: Es gab Gespräche, in denen ich mich erklären musste, und welche, in denen ich es nicht getan habe. Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich das wirklich will, und ich habe geantwortet, dass ich es nicht weiß und dass ich es trotzdem mache.

Ein Führungszeugnis, das man freiwillig abgibt, liest sich in meiner Branche erst nach zwei Jahren anders. Ich habe Nachfragen bekommen, warum ich denn nicht mehr wolle, und ich habe aufgehört, darauf ausführlich zu antworten. Über den Fall, dass jemand mit reduzierter Stundenzahl wiederkommt, habe ich später noch geschrieben, in Beruflich zurückkehren. Und über die Frage, warum kurze Wochen nicht automatisch bessere Arbeit bedeuten, in Vier Tage bei Janus. Mein Betrieb ist nicht Janus. Es gibt Unterschiede, und der wichtigste ist, dass wir keinen Versuch gemacht haben, sondern eine Regelung gefunden.

Seit 2022 arbeite ich 28 Stunden an vier Tagen. Montag bis Donnerstag, Freitag frei. Der Freitag ist voller Dinge, die ich mir vorgenommen habe; er ist auch der Tag, an dem ich meistens in die Kirche gehe, weil sie dann leer ist. Der Zusammenhang zwischen beidem ist mir erst später aufgefallen, und ich lasse ihn so stehen. Wie ich zu diesem Ort gekommen bin, steht in Meine Beziehung zu St. Alfons; was ich über Arbeit lese, in Was ich lese und behalte.

Wie sich Sorgearbeit in einer Familie konkret anfühlt, ist eine andere Frage als die nach dem Lebenslauf. Unsere Erfahrung mit der Betreuung meiner Mutter zu Hause steht in einem eigenen Bericht.

Was der Lebenslauf nicht sagt

Er sagt nicht, dass ich 2011 eine Bewerbung geschrieben und nie abgeschickt habe. Er sagt nicht, dass ich zwei Jahre in einem Büro gesessen habe, in dem die Fenster nicht zu öffnen waren. Er sagt nicht, dass mein Mann Lehrer ist und dass wir in dem Jahr, in dem ich vier Monate zu Hause war, zum ersten Mal darüber gesprochen haben, wer wann zurücksteckt.

Von außen betrachtet ist aus mir etwas geworden, das in Stellenanzeigen „erfahrene Generalistin mit Führungserfahrung“ heißt. Das stimmt. Es stimmt nur in einer Sprache, die nicht meine ist, und deshalb schreibe ich hier die andere dazu.

Was vom Ende eines Arbeitstags übrig bleibt und was nicht, habe ich in Wenn der Arbeitstag endet aufgeschrieben. Wer den Stadtteil genauer kennenlernen will, in dem ich das alles mache, findet ihn in Ein Weg durch Keesburg und in Frauenland und Keesburg.