Zwischen halb fünf und fünf wird es im Büro leiser, und das liegt nicht an den Menschen. Es liegt an der Lüftung, die herunterfährt, und am Kaffeevollautomat, der nach einer halben Stunde Nichtbenutzung in einen Standby geht und dabei zweimal kurz klickt. Ich höre das erst, seit ich an einem Platz sitze, der weit genug von der Tür und nah genug an der Küche ist.

Das Geräusch ist zuverlässiger als jeder Kalender. Es sagt mir, dass der Tag jetzt aufhört, unabhängig davon, ob ich fertig bin.

Die letzten zwanzig Minuten

Ich habe mir angewöhnt, die letzten zwanzig Minuten nicht mehr mit Arbeit zu verbringen, sondern mit dem, was danach kommt. Ich schreibe auf, wo ich stehengeblieben bin, und zwar so, dass ich es am nächsten Morgen verstehe. Meistens sind es drei Zeilen. Manchmal ist es eine Frage an mich selbst, die am nächsten Tag dumm aussieht, und dann streiche ich sie durch.

Das ist keine Produktivitätsmethode, die ich irgendwo gelesen hätte. Es ist das Ergebnis eines Jahres, in dem ich montags regelmäßig eine halbe Stunde damit verbracht habe, herauszufinden, was ich freitags gedacht hatte. Über dieses Jahr und darüber, wie ich überhaupt in diese Rolle gekommen bin, steht mehr in Was mein Berufsweg über mich erzählt.

Der Weg dazwischen

Zwischen dem Büro und dem Abend liegt bei mir eine halbe Stunde. Ich gehe zu Fuß zur Haltestelle, fahre vier Stationen und gehe dann noch zwölf Minuten bergauf. Diese zwölf Minuten sind der Teil, der zählt. Wer den kürzeren Weg nimmt, kommt früher an und hat den Tag noch im Kopf; wer den längeren nimmt, kommt später an und hat ihn abgegeben. Ich habe das nicht als Regel erfunden, ich habe es nur bemerkt. Was auf diesem Weg liegt, steht in Ein Weg durch Keesburg.

Was ich dort nicht auflösen kann: Der Weg funktioniert nur, wenn ich ihn allein gehe. Mit dem Fahrrad dauert alles acht Minuten und bringt nichts.

Was mit nach Hause kommt

Ein Arbeitstag endet nicht, wenn man das Gebäude verlässt. Er endet, wenn man aufhört, ihn im Kopf weiterzurechnen, und dieser Zeitpunkt ist nicht steuerbar.

Bei mir sind es meistens die Stellenpläne. Wenn ich eine Umstrukturierung begleite, liegen zwischen einer Entscheidung im Gremium und der Information der Betroffenen oft sechs bis zehn Wochen. In diesen Wochen weiß ich Dinge, die ich nicht sagen darf, und treffe Menschen im Treppenhaus, die sie nicht wissen. Das ist der Teil meines Berufs, an dem ich am schlechtersten schlafe, und es ist kein Versagen des Arbeitgebers. Es ist die Struktur.

Wenn es schlimm ist, wache ich um vier auf und rechne. Nicht die große Frage, sondern Kleinkram: ob ein Gespräch am Dienstag richtig terminiert war, ob ich einen Satz anders hätte sagen müssen. Ich habe eine Zeit lang versucht, das wegzuatmen. Rückblickend war das Nützlichste, was ich getan habe, etwas Unspektakuläres: Ich habe aufgehört, abends noch E-Mails zu lesen. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich gemerkt habe, dass eine Mail um einundzwanzig Uhr vierzig dieselbe Wirkung hat wie ein Anruf, nur ohne die Möglichkeit, zurückzufragen.

Zu Hause gibt es eine andere Art von Verantwortung. Wie wir für meine Mutter Unterstützung organisiert haben, beschreibe ich in unserem Bericht über Betreuung nach dem Pflegegrad. Das ist eine persönliche Familienerfahrung, keine allgemeine Lösung für alle.

Der Anruf um zwanzig Uhr fünfzehn

Vor zwei Jahren hat mich eine Kollegin um zwanzig Uhr fünfzehn angerufen, weil ein Termin am nächsten Morgen zu platzen drohte. Ich habe abgenommen. Das war richtig, es war ein echtes Problem, und es war in zehn Minuten geklärt.

Danach habe ich bis Mitternacht wach gelegen, nicht wegen des Problems, sondern wegen der Tatsache, dass ich erreichbar war. Es gibt in meinem Betrieb keine Regel, die das verlangt. Es gibt nur eine Gewohnheit, die sich eingeschlichen hat, und Gewohnheiten sind schwerer abzuschaffen als Regeln, weil man sie selbst gemacht hat.

Wir haben später im Team besprochen, wie wir das handhaben wollen. Das Ergebnis ist unspektakulär: eine Nummer für Notfälle, alles andere am nächsten Morgen. Ich schreibe das hier auf, weil ich lange geglaubt habe, Erreichbarkeit sei eine Frage des Charakters. Sie ist eine Frage der Vereinbarung.

Über Arbeitszeit reden wir gerade viel, und ich habe dazu eine Zahl aufgeschrieben: Teilzeit in Deutschland erklärt, was die offizielle Quote misst und was nicht. Wer nach einer Pause zurückkommt, findet die praktischen Fragen in Beruflich zurückkehren.

Der Freitag

Seit 2022 arbeite ich Montag bis Donnerstag. Der Freitag ist frei, und ich habe ein Jahr gebraucht, um ihn nicht als verlängerten Donnerstag zu behandeln. Die ersten Monate habe ich ihn mit allem gefüllt, was ich unter der Woche liegen gelassen hatte, was dazu führte, dass er sich anfühlte wie ein sechster Arbeitstag ohne Bezahlung.

Inzwischen hat der Freitag eine Form, die ich niemandem empfehlen würde, weil sie zu mir gehört. Vormittags Besorgungen und der Wochenmarkt. Nachmittags gehe ich meistens in die Kirche, weil sie dann leer ist und weil ich dort nicht erklären muss, warum ich da bin. Der Zusammenhang zwischen dem freien Freitag und diesem Weg ist mir erst nach einem Jahr aufgefallen. Erzählt habe ich davon zuerst in Meine Beziehung zu St. Alfons.

Wie der Stadtteil aussieht, in dem sich das abspielt, steht in Frauenland und Keesburg. Am Ende bleibt bei mir eine Frage, die ich nicht beantworten kann: ob ein Tag wirklich besser wird, wenn man ihn pünktlich beendet, oder ob man sich nur angewöhnt, ihn pünktlich zu beenden. Ich weiß es nicht. Ich mache es weiter.