Es gibt eine offizielle Antwort darauf, wie jemand nach einer Pause zurück in die Arbeit kommt, und es gibt die Fälle, die ich aus Gesprächen kenne. Die offizielle Antwort ist kurz und passt auf eine Bildschirmseite. Die Fälle sind langsam, widersprüchlich und selten abgeschlossen, wenn ich sie zum ersten Mal höre.
Vier Wege zurück in die Arbeit
Die Bundesagentur für Arbeit hat auf ihrer Seite Wege zum Wiedereinstieg nach einer beruflichen Pause vier Möglichkeiten zusammengestellt. Ich gebe sie so wieder, wie sie dort stehen. Die Einschätzung, was davon im einzelnen Fall trägt, ist meine, nicht ihre.
Der erste Weg ist die Rückkehr in den bisherigen Beruf. Die Seite empfiehlt, das schon vor der Pause mit dem Betrieb zu besprechen, und nennt Teilzeit oder Arbeit von zu Hause als Formen, in denen die Rückkehr aussehen kann. Den Vorteil, den sie dabei anführt: Wer das vorher geklärt hat, muss danach nicht bei null anfangen.
Der zweite Weg ist Weiterbildung. Gemeint ist auch betriebliche Weiterbildung, die während einer Auszeit läuft und nicht erst danach beginnt. Was in welchem Umfang möglich ist, steht nicht allgemein fest, sondern hängt vom Betrieb und von der Person ab. Der dritte Weg ist eine Ausbildung, wenn sich jemand neu orientieren will; laut dieser Übersicht ist sie in Vollzeit oder in Teilzeit möglich. Der vierte Weg ist die Selbstständigkeit. Die Seite nennt sie als Alternative und weist darauf hin, dass dafür kaufmännisches Wissen nötig ist.
Besonders betont die Übersicht zwei Punkte: frühzeitig planen, und den Weg nach den eigenen Voraussetzungen wählen. Beides klingt selbstverständlich. In der Praxis sind es die zwei Stellen, an denen es am häufigsten hakt, weil beides Zeit braucht und niemandem gehört.
Wichtig ist, was dort nicht steht. Die Seite beschreibt Möglichkeiten, keine Ansprüche. Aus einer Weiterbildung folgt keine Stelle, und aus einer Pause folgt kein Anrecht auf den alten Arbeitsplatz zu den alten Bedingungen. Ob etwas trägt, lässt sich nur im Einzelfall klären, mit dem Betrieb und mit den Stellen, die für die jeweilige Frage zuständig sind.
Auch familiäre Sorgearbeit kann die Frage nach Zeit und Unterstützung verändern. Eine persönliche Geschichte dazu steht in unserem Bericht über die Betreuung unserer Mutter zu Hause. Sie beschreibt eine einzelne Familie und keinen beruflichen Wiedereinstiegsweg.
Was ich in Gesprächen gesehen habe
Ich arbeite in der Personal- und Organisationsentwicklung und habe Rückkehrende begleitet, nach Elternzeit und nach längeren Abwesenheiten. Betriebe nenne ich nicht; die Muster wiederholen sich ohnehin.
Der erste Arbeitstag wird gern auf einen Montag gelegt, weil das ordentlich aussieht. Ob ein Donnerstag besser läge, prüft selten jemand. Wie lang der Arbeitsweg mit dem Umsteigen wirklich dauert, wird nach Gefühl geschätzt und nicht nachgerechnet. Die Weiterbildung fällt auf einen Freitag, an dem zu Hause niemand einspringen kann. Nach zwei Jahren sitzen im Team andere Leute. Die Fälle, in denen es nach drei Wochen stockte, hatten fast immer eine dieser Stellen offen gelassen.
Teilzeit ist für viele der Weg zurück, und sie ist selten eine reine Rechenaufgabe. Was eine Teilzeitquote über den einzelnen Fall aussagt, habe ich in Teilzeit in Deutschland: Was die Zahl zeigt und was nicht aufgeschrieben: sehr wenig. Auch die Arbeitszeit selbst lässt sich umbauen, aber nicht überall gleich. Ein Betrieb kann seine Woche verändern, wie das Beispiel einer Vier-Tage-Woche bei Janus Team zeigt. Das ist die Selbstauskunft eines einzelnen Unternehmens, kein Modell für alle.
Die eigenen Stationen wirken nach, auch bei mir. Ich war 2019 vier Monate draußen und bin 2020 mit dreißig Stunden in eine Fachrolle zurückgekommen. Was dieser Weg über mich erzählt, steht in Was mein Berufsweg über mich erzählt.
Ein Anfang, der nach wenig aussieht
Von außen sehen die ersten Schritte unspektakulär aus. Ein Vormittag pro Woche im alten Team. Ein Anruf bei der früheren Vorgesetzten, drei Minuten, in denen man sich nur nach dem Stand erkundigt. Zwei Stunden Hospitation. Ein Tag Probearbeiten. Für viele heißt das schlicht „wieder reinkommen“. Nichts davon taugt für einen Lebenslauf, und trotzdem bewegt es mehr als ein Plan, der ein halbes Jahr in der Schublade liegt.
Schwierig ist weniger der erste Tag als sein Ende. Ich habe über diesen Übergang in Wenn der Arbeitstag endet geschrieben; nach einer Pause fällt er schwerer, weil die Routine fehlt, auf die man sonst zurückfällt. Der Heimweg führt bergauf, und bergauf sortieren sich solche Fragen besser als am Schreibtisch. Über diesen Weg habe ich in Ein Weg durch Keesburg geschrieben.
Fachtexte zum Wiedereinstieg lese ich selten. Über Arbeit überhaupt lese ich mehr, und ein Teil davon bleibt hängen; was das ist, steht in Was ich lese und behalte. Eine Schrittliste findet man dort nicht, und hier auch nicht.
Was nächste Woche auf dem Zettel steht
In meinem Notizbuch, DIN A5, steht seit gestern ein Name mit einem Datum daneben. Eine Frau, die zwei Vormittage anfangen möchte und nicht weiß, ob sie das so anbieten kann. Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass ich am Montag anrufe und die Frage stelle. Was daraus wird, kommt auf den nächsten Zettel.
