7,3 Prozent im Bistum Würzburg, 6,8 Prozent in Deutschland. Die neuen Zahlen zum Gottesdienstbesuch passen in eine Zeile. Gerade deshalb wollte ich wissen, was diese Zeile eigentlich zählt.
Ich wohne ein paar Straßen von St. Alfons entfernt. Was ich über die Kirche schreibe, ist meine persönliche Sache, keine Auskunft über die Pfarrei. Die Zahl des Bistums beschreibt einen anderen Ausschnitt: den durchschnittlichen Besuch an zwei Sonntagen im Jahr.
Zwei Sonntage, ein Durchschnitt
Die katholischen Gemeinden zählen am zweiten Fastensonntag und am zweiten Sonntag im November. Aus den beiden Zählungen entsteht ein Durchschnitt. Die Prozentzahl setzt diesen Wert zu den registrierten katholischen Mitgliedern ins Verhältnis. In der Kirchenstatistik 2025 der Deutschen Bischofskonferenz stehen die neuen Werte als vorläufige Ergebnisse, veröffentlicht am 16. März 2026.
| Gebiet | Katholische Mitglieder 2025 | Gottesdienstbesuch im Durchschnitt | Anteil |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 19.219.601 | ca. 1.304.000 | 6,8 % |
| Bistum Würzburg | 610.548 | ca. 45.000 | 7,3 % |
Die Teilnehmerzahlen sind gerundet. Die Tabelle macht außerdem keinen Jahresbesuch aus einzelnen Menschen. Wer an beiden Zählsonntagen kommt, taucht in beiden Zählungen auf. Der Wert sagt also nicht, wie viele verschiedene Menschen im Lauf des Jahres mindestens einmal in einem Gottesdienst waren.
Das ist kein Mangel der Statistik. Sie zählt etwas Bestimmtes. Verwirrend wird es erst, wenn aus dem Durchschnitt ein Satz über alle Sonntage oder über die persönliche Religiosität der Mitglieder wird.
Wenn ein Anteil steigt und die Zahl sinkt
Im Vorjahr hatte die katholische Kirche bundesweit einen Gottesdienstbesuch von 6,6 Prozent gemeldet. 2025 waren es 6,8 Prozent. Zugleich lag die gerundete durchschnittliche Teilnehmerzahl 2024 bei 1,306 Millionen und 2025 bei 1,304 Millionen.
Ein Anteil kann steigen, obwohl die gezählte Zahl leicht sinkt. Er hängt am Zähler, also an den Teilnehmenden, und am Nenner: der Zahl der Mitglieder. Diese ist zurückgegangen. Aus der Veränderung von 6,6 auf 6,8 Prozent folgt deshalb kein Anstieg der einzelnen Menschen, die 2025 in die Kirche gingen. Der Vergleich lässt alle Schlüsse offen, die über die erfassten Durchschnittswerte hinausgehen.
Bei Zahlen aus einem Jahr Abstand suche ich oft zuerst nach einer Bewegung. Steigend oder fallend klingt nach einer Geschichte. Hier stehen zwei verschiedene Bewegungen nebeneinander, und es wäre zu bequem, aus einer davon die ganze Erzählung zu machen.
Was an einem Mittwoch nicht vorkommt
Ich gehe meistens unter der Woche in die Kirche, oft am frühen Abend, wenn die Glocke geläutet hat. In meiner Beziehung zu St. Alfons habe ich versucht aufzuschreiben, warum ich dort sitze, obwohl ich nicht für die Gemeinde sprechen kann. Diese Besuche können in einer Statistik, die zwei Sonntage zählt, nicht auftauchen.
Das ist nur mein Beispiel, kein Beleg für eine größere Gruppe. Andere Menschen haben andere Gründe hinzugehen oder nicht hinzugehen. Eine Zahl über Gottesdienstbesuche kann weder die persönliche Bindung noch die Zweifel, den Alltag oder die stille Nutzung eines Raums abbilden.
St. Alfons ist für mich auch ein konkreter Bau im Stadtteil, mit einer eigenen Geschichte und einem Raum, der am Altar höher wird. Darüber habe ich in meiner Notiz zur Nachkriegsmoderne geschrieben. Die vierzehn Drucke an der Betonwand haben noch einmal eine andere Wirkung; sie sind das Thema eines eigenen Textes über den Kreuzweg. Keine dieser Erfahrungen steckt in den 7,3 Prozent.
Das Bistum ist nicht die einzelne Pfarrei
Die 7,3 Prozent gelten für das Bistum Würzburg. Sie sind kein Ergebnis für die Stadt Würzburg allein und erst recht keine Zahl für St. Alfons. In der veröffentlichten Tabelle gibt es hier keine einzelne Gemeinde, die man herauslösen könnte. Auch die Zahl der Pfarreien ist eine organisatorische Einheit, keine Übersicht darüber, wie viele Kirchengebäude genutzt oder geschlossen sind.
Der Unterschied ist für einen Ortsteil wichtig. Die Keesburg gehört zum Stadtbezirk Frauenland, aber selbst eine Zahl für ganz Würzburg würde viele verschiedene Wege und Gewohnheiten zusammenfassen. Wie die beiden Namen zusammenhängen, habe ich in Frauenland und Keesburg beschrieben. Wer den Hügel zu Fuß durchquert, begegnet der Kirche auf eine andere Weise als jemand, der am Sonntag zum Gottesdienst kommt; mein Weg durch Keesburg hält eine solche Alltagsbewegung fest.
Gottesdienstbesuch ist eine sinnvolle Größe, wenn man wissen will, wie viele Menschen an diesen beiden Sonntagen in den gezählten Feiern waren. Sie beantwortet aber nicht, was Menschen glauben, was sie von einer Kirche erwarten oder welche Rolle ein Gebäude in einer Nachbarschaft spielt. Dafür braucht es andere Fragen und andere Arten hinzusehen.
Mein Arbeitstag endet manchmal in der Nähe von St. Alfons; über diesen Übergang habe ich in Wenn der Arbeitstag endet geschrieben. Ich mag, dass der Ort eine Zahl haben darf und trotzdem mehr bleibt als das, was sich zählen lässt. Beides muss sich nicht widersprechen.
